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Bestands- und Reproduktionserfassung des Rotmilans in seinem Verbreitungszentrum (2018-2020)

Projektziele

Ziel des Projektes ist die standardisierte Erfassung von Bestands- und Reproduktionsdaten des Rotmilans in seinem Verbreitungszentrum. Durch den Vergleich mit den im Artenhilfsprogramm (Mammen et al. 2014) berechneten Szenarien zum Bestandsverlauf bei unterschiedlich hoher Reproduktion ließe sich somit der weitere Bestandsverlauf genauer prognostizieren. Gleichzeitig kann anhand des Vergleiches mit früheren Reproduktionsdaten, die für die Teilflächen vorliegen, feststellen, wie sich die Reproduktion im Laufe der Zeit verändert hat. Unter der Voraussetzung, dass in einer Population, bzw. in einem Bestand auf einer bestimmten Fläche, Faktoren wie Immigration, Emigration und Mortalität konstant sind, müsse es eine Minimum-Reproduktion geben um den Bestand konstant zu halten. Es ist somit essentiell, dass die Reproduktion auf einer möglichst großen Fläche kontrolliert wird, um eine Aussage dazu treffen zu können, ob die aktuelle Reproduktion im Verbreitungszentrum für den Erhalt des Bestandes ausreichend ist. Durch die Auswertung der Daten hinsichtlich des Einflusses durch die Landnutzung unter besonderer Berücksichtigung des Greenings, lassen sich für das Verbreitungszentrum der Art zudem konkrete Handlungsempfehlungen für das Rotmilanmanagement ableiten.

Gleichzeitig können die in diesem Projekt erhobenen Daten dem Land Sachsen-Anhalt zur Erfüllung der EU-Berichtspflicht dienen und unterstützen zudem zielführend die Biodiversitätsstrategie des Landes Sachsen-Anhalt.

Untersuchungsgebiet

Das Untersuchungsgebiet für das geplante Projekt orientiert sich an den Probeflächen, auf denen bereits kontinuierlich sowohl Bestands- als auch Reproduktionsdaten im Rahmen des „Monitoring Greifvögel und Eulen Europas“ ehrenamtlich erfasst wurden bzw. werden. Außerdem wurde das Gebiet ausgewählt, in dem seit vielen Jahren der Greifvogelbestand im Offenland im fünf Jahres Rhythmus untersucht wurde. Daraus ergibt sich eine Gebietskulisse von 31 TK25 (MTBQ) Flächen und der etwas separat liegenden Waldinsel „Hohes Holz“ mit einer Gesamtfläche von etwa 1004 km².

Erfassung des Brutbestandes

Die Bestandserfassung des Rotmilans auf der Untersuchungsfläche soll im Rahmen des Projektes jährlich erfolgen. Diese erfolgt auf Grundlage einer Horstsuche, wie dies bereits auf den Probeflächen des „Monitoring Greifvögel und Eulen Europas“ und auch bei der landesweiten Erfassung des Rotmilans erfolgt ist. Die Begehungen zur Horstsuche werden zwischen Ende März und Anfang April, also vor Beginn des Laubaustriebes durchgeführt. Im weiteren Verlauf der Brutsaison erfolgen zwei weitere Kontrollen. Bei der ersten Kontrolle der gefundenen Horste zwischen Mitte April und Anfang Mai wird die Besetzung des Horstes überprüft und die Besetzung aller Horste notiert. Im Rahmen der zweiten Kontrolle Anfang Juni werden der bisherige Erfolg und der Entwicklungsstatus der Jungvögel in den Rotmilannestern überprüft. Ab Mitte Juni sollen die Jungvögel in möglichst vielen Horsten beringt werden.

Zusätzlich zu den Bestands- und Reproduktionsdaten werden auch nähere Informationen zu jedem Horst erfasst. Dazu gehören: Baumart, Baumhöhe, Horsthöhe und Lage des Horstes im Baum. Außerdem soll erfasst werden, ob der jeweilige Horstbaum ein Einzelbaum ist oder in einer Baumreihe, einem Feldgehölz, einem Park oder in einem Wald liegt. Damit lassen sich Rückschlüsse auf Nistplatzpräferenzen und deren mögliche Veränderung im Laufe der Zeit ziehen.

Nach der Bestandserfassung des Rotmilans sollen die Hälfte aller Horstbäume mit einer Manschette versehen werden, die das erklettern des Baumes durch den Waschbären verhindert (Gleichner & Gleichner 2013, Schönbrodt 2015). Diese Bäume werden vollkommen zufällig ausgewählt. Anhand dieses Horstschutzes soll der Einfluss des Waschbären als Neozoon auf die Reproduktion des Rotmilans untersucht werden.

Erfassung der Reproduktion

Im Rahmen der dritten Begehung der Flächen Anfang Juni wird der Stand der Reproduktion der Rotmilanbrutpaare überprüft. Dabei wird erfasst, welche Brutpaare bisher erfolgreich waren und welche nicht. Als Grundlage dafür erfolgt möglichst eine Zählung der Jungvögel im Horst. Sollte dies zum Beispiel aufgrund der Belaubung nicht möglich sein, sollte überprüft werden, ob sich Kotspuren unter dem Baum befinden, die auf Jungvögel im Nest schließen lassen. Unter Mithilfe eines Baumkletterers werden dann die Horste mit Jungvögeln bestiegen und die genauen Reproduktionsdaten ermittelt sowie die Jungvögel beringt. Anschließend erfolgt eine weitere Kontrolle, ob die beringten Jungvögel tatsächlich flügge werden sind, um auch Verluste in der späten Nestlingsphase zu berücksichtigen.


Datenauswertung

Im Anschluss an die Kartierung und die Reproduktionskontrolle erfolgt die Digitalisierung der Ergebnisse in einem GIS-Programm. Es erfolgt jährliche eine kartografische, tabellarische und grafische Aufarbeitung der erhobenen Daten. Ebenso sollen die erhobenen Daten mit den Daten aus vorangegangenen Erhebungen verglichen werden und Rückschlüsse aus deren Veränderung gezogen werden. Des Weiteren sind vielfältige Auswertungen möglich.

Anhand von Invekos-Daten soll überprüft werden, welchen Einfluss die Landnutzung auf den Bestand und die Reproduktion hat. Insbesondere liegt dabei das Augenmerk auf den Auswirkungen von ökologischen Vorrangflächen, die im Rahmen des Greening angelegt wurden. Damit soll evaluiert werden, ob der aktuelle Umfang des Greening ausreicht, um sich positiv auf den Rotmilan auszuwirken. Des Weiteren soll mit Hilfe der Reproduktionsdaten zum Beispiel überprüft werden, ob sich Verluste durch den Waschbären und andere Prädatoren mit dem Anbringen von Manschetten an den Horstbäumen verringern lassen. Weitere Auswertungen beispielsweise hinsichtlich von Todesursachen im Untersuchungsgebiet sind denkbar, richten sich aber in erster Linie nach den verfügbaren Daten.

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