Methodik für die landesweite Rotmilan-Erfassung 2021/2022 in Sachsen-Anhalt

1. Ziel

Auf jedem Messtischblatt-Quadranten (MTBQ = TK10) sollen die Brutpaare von Rotmilanen (wenn möglich auch von Schwarzmilan und Mäusebussard) in Sachsen-Anhalt punktgenau erfasst werden. Quadranten, die zum Teil in anderen Bundesländern liegen, sollten vollständig bearbeitet werden. Zudem soll ein 10 km breiter Streifen außerhalb Sachsen-Anhalts untersucht werden. Hierzu werden auch vorhandene Daten aus den Nachbarbundesländern beachtet, ergänzt und ggf. aktualisiert.

2. Kartiergrundlagen

Als Kartiergrundlage dienen die MTBQ mit einer Fläche von ungefähr 32 km². Ein MTBQ ist ein Viertel eines Messtischblattes (ca. 128 km²).

Jeder Kartierende sollte mindestens einen Quadranten bearbeiten.

Die Anmeldung erfolgt per Mail oder Telefon:

E-Mail:kartierung@rotmilanzentrum.de 
Telefon: +49 (0) 3941 58337437

3. Erfassung

Die Erfassung erfolgt in Anlehnung an die Methode der Brutvogelkartierung von Südbeck et al. (2005).

Bei der ersten Begehung werden im gesamten MTBQ Gehölzstrukturen auf Horste kontrolliert. Alle Bereiche mit größeren Bäumen wie Wälder, Baumreihen, Feldgehölze oder Baumgruppen stellen potenziellen Horststandorte dar. Selten werden auch Einzelbäume oder Freileitungsmasten als Neststandorte angenommen. Gerne werden auch vorhandene Horste aus den Vorjahren wiederbesetzt oder Nester von anderen Arten wie z.B. Krähen ausgebaut und genutzt.

Schwarzmilane und Mäusebussarde können mit aufgenommen werden, was aufgrund der ähnlichen Lebensraumansprüche und Nisthabitate ohne weiteres möglich ist, da hierfür keine weiteren Begehungen nötig sind. Die drei Arten können in einem engen Umkreis zusammen brüten. Daher ist beim Fund eines besetzten Horstes dennoch der Rest des Gehölzes nach weiteren Horsten abzusuchen.

Um Störungen zu minimieren, ist das Horstumfeld anschließend wieder zügig zu verlassen. Ebenfalls sollte der Blickkontakt mit auf Horsten sitzenden Vögeln vermieden werden, da diese sonst eher auffliegen. Es kann zudem sein, dass die Vögel schon aufgeflogen sind, bevor der Horst entdeckt wurde. Deshalb sollte am und unter dem Horst nach weißen Kotspuren gesucht werden, die auf eine Besetzung hinweisen können. Ebenso können frisch eingetragene Zweige auf eine Benutzung des Nestes hinweisen.

Bei auf dem Horst sitzenden Greifvögeln können oft die herausragenden Schwanzfedern eine sichere Bestimmung zulassen. Auch der Horst selbst kann mitunter schon auf eine bestimmte Art hinweisen. Rot- & Schwarzmilane bauen in der Regel Stoff- oder Plastikreste in ihre Horste ein. Mäusebussarde neigen hingegen dazu frische, belaubte Zweige in ihren Horsten zu verbauen. Zudem bauen Mäusebussarde in der Regel größere Nester.

3.1. Baumreihen, Feldgehölze, Ortschaften, Einzelbäume & Baumgruppen

Diese Landschaftsstrukturen sollten vor dem Laubaustrieb, der bereits Mitte April beginnen kann, komplett zu Fuß kontrolliert werden. Da Rotmilane zunehmend auch in Siedlungsgebieten und deren unmittelbaren Nähe brüten, sind diese bei den Kartierungen nicht zu vernachlässigen. Schwerpunktmäßig sind in Ortschaften alle Strukturen mit größeren Bäumen wie z.B. Parks, Friedhöfe oder größere Gärten aufzusuchen und zu kontrollieren. In den letzten Jahren nutzten Greifvögel zudem in Siedlungsnähe Misteln als Unterlage für das Nest. Dies kann das Auffinden der Horste zum Teil erheblich erschweren.

3.2 Wälder

Bei großen unübersichtlichen Wäldern sollen bei der Horstsuche die Waldrandbereiche (bis 200 m tief in den Wald) intensiv abgesucht werden. Rotmilane brüten nur selten tiefer in Wäldern, dennoch ist es ratsam zur Sicherheit von einem oder mehreren Aussichtspunkten den Wald von außerhalb auf Aktivitäten zu überwachen. Pro Punkt sollten hierbei ca. 30 min eingeplant werden, während dieser Zeit ist auf Balz- und Territorialverhalten zu achten, welches Aufschluss über den genauen Horststandort geben kann.

Die wichtigsten Territorialverhalten sind:

  • Demonstrationsflüge: z.B. ausdauernd über dem Revier kreisende oder lange an einem Punkt (meist über dem Horst)
        in der Luft stehende Rotmilane
  • Flug aus dem Jagdgebiet zum Horst
  • Exponiertes Sitzen in Horstnähe
  • Revierkampf mit anderen Greifvögeln

Bei Beobachtung dieser Verhalten steigt die Wahrscheinlichkeit einer späteren erfolgreichen „gezielten“ Horstsuche.
Diese Vorgehensweise ist auch in Bezug auf größere Nadelgehölz-Bereiche oder anderweitig schlecht einsehbare Gebiete anwendbar.

3.3 Termine & Erfassung

Die Kartierungen sollen im Jahr 2021 landesweit, jedoch mindestens auf zwei Drittel der Landesfläche, umgesetzt werden. Unbearbeitete MTBQ sollten 2022 kartiert werden. Die Erfassung einzelner MTBQ ist jedoch innerhalb eines Jahres abzuschließen.

Es sollen mindestens in den ersten beiden Terminzeiträumen (siehe unten) Erfassungen durchgeführt werden. Der dritte Durchgang ist für eine reine Bestandserfassung nicht zwingend notwendig. Die Ergebnisse dieses Durchganges sind jedoch wertvoll, um den Bruterfolg werten zu können. Im Rahmen der landesweiten Erfassung ist dieser Durchgang optional und kann je nach zeitlichen Möglichkeiten durchgeführt werden.

  1. Durchgang:          bis 20. April: Horstsuche (Nestsuche, Registrierung von Rotmilanen in der Nähe gefundener Nester)
  2. Durchgang:          21. April bis 10. Mai: Besatzkontrolle (Kontrolle der Nestbesetzung)
  3. Durchgang:          05. Juni bis 20. Juni: Reproduktionskontrolle (Beute eintragende Altvögel, Kotspritzer unter dem
                                         vermuteten Horst, Jungvögel in Nestnähe bzw. im Brutrevier)

 

Da bei schlechten Witterungsbedingungen wie Regen oder kühlem Wetter die Beeinträchtigung von Eiern und Jungvögeln besonders hoch ist und Rotmilane bei solchem Wetter insgesamt wenig aktiv sind, sollten die Erfassungen des Horstbesatzes nur bei „gutem“ Wetter erfolgen. Die Horstsuche (1. Durchgang) kann je nach eigenem Ermessen bei jedem Wetter durchgeführt werden.

Generell sind die Vögel ca. 2 Std. nach Sonnenaufgang bis ca. 1,5 Std. vor Sonnenuntergang besonders aktiv.

4. Datenerfassung

Jedem Erfassenden werden die notwendigen Kartierunterlagen zur Verfügung gestellt. Dieses erfolgt in individueller Absprache mit dem Bearbeiter/ der Bearbeiterin.

Die Horststandorte sind Punktgenau anzugeben Dieses kann über die Eintragung in eine Karte erfolgen. Ebenso können die Standorte auch mit einem GPS-Gerät oder mit dem Handy erfasst werden. Bei der Erfassung sollten neben der Vogelart und ggf. der Anzahl Jungvögel (Juv.) folgende Parameter erhoben werden:

  • Horstbaum (auf Gattungsniveau: z.B. Eiche, Pappel, …)
  • Horststandort
    • W = Wald (>5ha)
    • R = Waldrand (bis 25m tief in den Wald hinein)
    • F = Feldgehölz (<5ha)
    • B = Baumreihe
    • O = Ortslagen
    • S = Sonstiges (z. B. Masten)

5. Meldung der Daten

Die Daten sind bis spätestens zum 31.07. des Erfassungsjahres an das Rotmilanzentrum zu übermitteln. Pro bearbeiteten Messtischblatt-Quadranten erfolgt nach Datenübermittlung eine Überweisung der Aufwandsentschädigung. Eine genaue Angabe zur Höhe der Entschädigung ist noch nicht möglich, jedoch wird sie sich im mittleren dreistelligen Bereich bewegen.

5.1 Meldung über ornitho.de

Bei Meldungen über www.ornitho.de sollte bitte das Erfassungsprojekt angegeben werden. Hierfür wird rechtzeitig vor der Erfassung ein entsprechendes Projekt eingerichtet (siehe Abbildung). In das Bemerkungsfeld können dann extra Eingaben wie die unter Kapitel 4 aufgeführten Parameter eingetragen werden.

Die Meldung kann auch über die App "NaturaList" eingegeben werden.

Eingabemaske
Abb. 2: Eingabemaske auf www.ornitho.de

5.2 Meldung über den Erfassungsbogen & Karte

Die ausgefüllten Erfassungsbögen und -karten können per Post oder eingescannt per Mail an die folgende Adresse gesandt werden:

Rotmilanzentrum am Museum Heineanum
z. H. Martin Kolbe
Am Kloster 1
38820 Halberstadt

E-Mail:kartierung@rotmilanzentrum.de 

 

Symbol Beschreibung Größe
Methodik für die landesweite Rotmilanerfassung
(c) Rotmilanzentrum
0.6 MB
Horsterfassungsbogen landesweite Rotmilankartierung
(c) Rotmilanzentrum
0.2 MB

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